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Wie geht es weiter? 2022-2023-2024 ????

FSRU Regasifizierungseinheit und LNG-Flüssiggasterminal in Wilhelmshaven:

Laut den bisherigen Planungsunterlagen werden ca. 1 Mio m³ Baggergut in der Zufahrtsbereich + Liegewanne gebaggert und verklappt werden müssen. All das in unmittelbarer Nähe von Saatmuschelanlagen und Kulturflächen der Muschelfischer.

Noch Fragen?

Im Grunde liegen 10 schlechte Jahre infolge hinter den niedersächsischen Betrieben. Die Qualität und Stabilität der Kulturen ist schlecht, die verlässliche Versorgung mit Jungmuscheln nicht gegeben. Es konnten keine ausreichende Rücklagen zur Deckung der Betriebsausgaben für die 5 Kutter gebildet werden. Somit haben die Betriebe nur wenig Reserven und die Situation entspannt sich voraussichtlich auch weiterhin nicht. 2011 war das letzte wirklich gute Verkaufsjahr, es wurden 7.300 to zu einem guten Preis verkauft. Seitdem liegen die Verkaufsmengen zwischen 1.000 to und knapp 4.000 to. Gerade für den 2018 eingestiegenen Norddeicher Jungfischer sind es schwierige Voraussetzungen, um motiviert in die Muschelfischerei zu starten.
Die schleswig-holsteinischen Muschelfischer haben dahingegen die letzten Jahre Rekordernten eingefahren. Wie kann es zu solch einem Unterschied zwischen den Bundesländern kommen? Warum läuft die Muschelfischerei schon seit Jahren in Niedersachsen so schlecht?

Frustrierend ist insbesondere, dass in Niedersachsen keine Besserung in Aussicht ist, im Gegenteil: der Zustand der Kulturen wird immer schlechter! Sie sind instabil, verschlicken rasant und auch die Strömungsbedingungen verändern sich permanent. Aber auch die Neuansiedlung von Jungmuschelbänken bleibt zunehmend aus. Woran kann es liegen?

Die Gründe sind vielfältig: Zunehmende Baggerungen und Verklappungen im niedersächsischen Küstenmeer, zahlreiche Kabelverlegungen für die Anbindung von Offshore-Windparks aber auch zwischen den Nachbarländern sowie die Hafenausbauten von Wilhelmshaven, Emden, Eemshaven, führen zu zunehmendem Sediment in der Wassersäule, was für die Muscheln, die sich filtrierend ernähren, Stress bedeutet. Zudem verschlicken die Kulturen stärker, sie werden instabil und unproduktiv. Die Einwanderung der Pazifische Auster bedeutet Nahrungskonkurrenz und es wird auch vermutet, dass sich die größeren Austern von den Larven der Miesmuscheln ernähren. Die Klimaveränderungen mit den milden Wintern verhindern das Absterben von Fressfeinden in den kalten Monaten und die heißen Sommer. Die zu warmen Frühjahre, heißen Sommer sowie die Zunahme von mehrtägigen Stürmen aus Südwest, die auch noch früher im Herbst auftreten, bedeuten großen Stress für die Muscheln bis hin zum Absterben. Auch dieses Jahr vernichtete der Orkan "Zeynap" Ende Februar alle noch verbliebenen Muscheln auf den Kulturen. Alles Stellschrauben, an denen die Fischerei selber nicht drehen kann.

Die niedersächsischen Muschelfischer sehen mit Sorge in die Zukunft: die eingeleitete Energiewende mit noch mehr Hafenausbauten (LNG Terminals), noch mehr Kabel (massiver Ausbau der Offshore-Windparks), noch mehr Flussvertiefungen (Weser)... und diese fast ausschileßlich an der niedersächsischen Küste. Alles zusammen führt dazu, dass die Muschelfischerei in Niedersachsen ernsthaft in Bedrängnis kommt!

Und so liegt die Beantwortung der Frage auf der Hand: Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist ein Naturraum, das niedersächsische Küstenmeer ein Wirtschaftsraum!