Daten

ACHTUNG: Bei der Überarbeitung der Anlandezahlen im August 2017 wurde festgestellt, dass in den offiziellen Zahlen der BLE die Anlandungen des Hooksieler Kutters „Siebennus Gerjets“, grundsätzlich der niedersächsischen Fischerei zugerechnet wurden, auch wenn er in Schleswig-Holstein tätig war. Deswegen wurden die hier angeführten Anladezahlen der letzten Jahre dahingehend berichtigt, dass nur die Anlandungen der niedersächsichen Flotte zugerechnet werden, deren Wertschöpfung auch in Niedersachsen stattgefunden hat (Zahlen des Staatlichen Fischereiamtes Bremerhaven). Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Besatzmuschelfischerei

Bei der Miesmuschelfischerei ist die Verfügbarkeit an Besatzmuscheln der bestimmende Faktor. Die natürlichen Muschelbestände unterliegen starken Schwankungen und die Fischer waren bislang ausschließlich auf diese natürlichen Vorkommen zur Gewinnung von Besatzmuscheln angewiesen. Die auf den Kulturen ausgebrachten Besatzmuschelmengen schlagen sich ein bis zwei Jahre später in den Anlandemengen an Speisemuscheln nieder. Das jährliche mittlere Verhältnis von gewonnenen Besatzmuscheln zu geernteten Speisemuscheln liegt seit 1994 bei 1:1,3. Durchschnittlich wurden dabei jährlich ca. 4.000 to Besatzmuscheln ausgebracht und ca. 5.300 to Speisemuscheln geerntet. Auf guten Kulturen kann man unter günstigen Verhältnissen den Zuwachs auf den Kulturen auf 1:4-5 steigern. Die niedersächsischen Kulturen verlieren dahingegen zunehmend durch die vielfältigen Bauarbeiten und den damit verbundenen Sedimentumlagerungen (Baggerungen und Verklappungen bei Fahrrinnenvertiefungen oder Hafenbaggerungen) an Stabilität und Qualität.

Besatz- und Konsummuschelfischerei in Niedersachsen 1994 - 2016
(ohne Besatzmuscheln von Langleinen und ohne Konsumwildmuschelanlandungen)

Deutlich wird anhand dieser Grafik, dass seit Ende der 90 er Jahre - mit der zunehmenden Einwanderung der Pazifischen Auster - die Besatzmuschelfischerei von trockenfallenden Naturmuschelbänken stark rückläufig ist. Die relativ hohen Besatzmuschelmengen von 2005, 2006, 2009 sowie 2016 resultieren von der Befischung sehr ergiebiger sublitoraler (ständig unter Wasser gelegener) Miesmuschelbänke. 2008 wurden erstmals seit Bestehen der Kulturmuschelwirtschaft keine Besatzmuscheln im niedersächisischen Wattenmeer aufgefischt und auch im Jahr 2011 fand keine Besatzmuschelfischerei im Watt statt. 2012 wurden nur geringe Vorkommen befischt, 2013 gab es im Sublitoral (überwiegend im Bereich der Weser) größere Vorkommen an Jungmuscheln. 2014 fiel die Besatzmuschelfischerei wieder sehr niedrig aus. Die Besatzmuschelfischerei seit 2010 ist zu niedrig, um den wirtschaftlichen Fortbestand der Muschelfischerei sicherzustellen. Im vergangenen Jahr 2016 wurden im Bereich der Ems erstmals wieder eine große Menge sublitoraler Besatzmuscheln gefischt. Es ist noch nicht absehbar, ob und wie sie den Winter auf den Kulturen überstanden haben.

Seit den 1994 wurden 54 % der Besatzmuscheln von trockenfallenden Muschelbänken gewonnen. Nach dem Massenbrutfall 1996 mit einer umfangreichen Besiedlung der Wattflächen wurden 1998 als Extremfall 85 % der Muscheln von trockenfallenden Bänken gefischt, 1996 dahingegen nur 12 %, die Fischerei fand mehr auf ständig unter Wasser gelegenen Muschelvorkommen statt. Die Besatzmuscheln stammen überwiegend aus den Mündungsbereichen der Ems und Jade, seit 1994 wurden 67 % dort gefischt. Nach dem Massenbrutfall verlagerte sich 1999 die Fischerei mehr auf die Muschelbänke im Rückseitenwatt der Inseln, es wurden in dem Jahr 74 % der Jungmuscheln dort aufgefischt.
2009 wurden 87 % der Besatzmuscheln aus dem Sublitoral gewonnen, 2016 sogar 93%.

Anlandemengen der niedersächsischen Miesmuschelfischerei von 1990 – 2016

Die Höhe der Anlandemengen und die erzielten Erlöse bedingen einander nur in untergeordnetem Maße. Bestimmend sind vielmehr die erzielten Marktpreise. Diese können von Tag zu Tag stark schwanken, entsprechen dem Prinzip von Angebot und Nachfrage auf der niederländischen Muschelauktion in Yerseke. Die 4 niedersächsichen Muschelfischereibetriebe fallen dabei auf dem europäischen Miesmuschelmarkt kaum mengen- und damit preisbestimmend ins Gewicht.

Ab 2012 werden aus Datenschutzgründen keine Erlöse bzw. Erzeugerpreise mehr veröffentlicht, da die Muschelfischerei nur durch 4 Betriebe ausgeübt wird.

Internationaler Vergleich

Im internationalen Vergleich präsentiert sich die niedersächsische Muschelfischerei extensiv und nachhaltig. Den 4 niedersächsischen Miesmuschelfischereibetrieben mit ihren fünf Kuttern stehen 4 schleswig-holsteinische Betriebe mit 8 Kuttern sowie ca. 80 niederländische Betriebe mit über 90 Kuttern gegenüber. Bezogen auf die anteiligen Wattenmeerflächen trägt Niedersachsen auf 25 % der Fläche nur zu 9 % der Miesmuschelanlandungen bei.

Trilateraler Vergleich: Miesmuschelfischerei im Wattenmeer
Jahresmittel 1990 -2005

Land

Anteil an der Wattenmeer-fläche

Anteil an den Anlandungen

Niedersachsen

26 %

10 %

Schleswig-Holstein

31 %

28,5 %

Niederlande

31 %

56,5 %

Dänemark

11 %

5 %

In den Niederlanden werden auf 6.500 ha Kulturen jährlich durchschnittlich 33.800 Tonnen (1994-2005) Konsummuscheln geerntet, in Schleswig-Holstein auf 2.300 ha Kulturfläche 17.000 Tonnen. Die niedersächsische Speisemuschelanlandungen belaufen sich auf 6.000 Tonnen, die auf 1.300 ha Kulturflächen gewonnen werden. In Dänemark wird eine reine Wildmuschelfischrei betrieben. An der dänischen Wattenmeerküste werden durch 5 Muschelkutter jährlich durchschnittlich ca. 3.000 Tonnen Wildmuscheln angelandet. Weitere 51 dänische Fischer fangen im Limfjord jährlich bis zu 100.000 Tonnen Wildmuscheln. 6 weitere Muschelkutter sind in der Ostsee tätig, mit jährlich ca. 40.000 bis 50.000 Tonnen Wilmuschelanlandungen.

 

Die Miesmuschelfischerei im Jahr 2016

aus dem Jahresbericht 2016 des Landesfischereiverband Weser-Ems e.V.
– Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei –

Für die Niedersächsischen Muschelfischer lief es 2016 weniger gut. Trotz bescheidener Anlandemengen blieb der Preis, unabhängig von der Qualität der Muscheln, niedrig. Hier spiegeln sich frühzeitige Preisverhandlungen zwischen Groß- und Einzelhandel wider. So ist der Handel nicht bereit, hohe Erzeugerpreise für Muscheln zu zahlen, die er schon im Voraus günstig weiterverkauft hat. Die Langleinenernte verlief für die Muschelfischer insgesamt zufriedenstellend.
Bemerkenswert war die außergewöhnlich große Menge an Besatzmuscheln, die gefischt werden konnte. Der Nutzen für die Fischereibetriebe wurde jedoch erheblich geschmälert, weil Seesterne und Eiderenten im letzten Quartal einen Großteil davon weggefressen haben.